US-Richter erklärt die Welt

Endlich hat ein Gericht verstanden, warum IP-Adressen nicht zur Personenidentifikation eingesetzt werden kann. Das besondere dabei: Es handelt sich um ein Gericht aus New York. Die Einschätzung des Richters hat Netzpolitik.org übersetzt:

Die Kläger behaupten, dass die Angeklagten, die nur durch eine IP-Adresse identifiziert werden, die Personen sind, die einen Inhalt aus dem BitTorrent-Schwarm heruntergeladen haben.

Allerdings ist die Annahme, dass die Person, die für einen Internetzugang an einem bestimmten Ort bezahlt, die gleiche Person ist, die einen Film heruntergeladen hat, fraglich und wird mit der Zeit immer fraglicher. Eine IP-Adresse bestimmt nur den Ort, an dem eine beliebige Anzahl an Computer-Geräten eingesetzt sein kann, so wie eine Telefonnummer für eine beliebige Anzahl von Telefonen verwendet werden kann.

Wenn sie nur einen Computer an das Internet anschließen, kann dieser die Adresse von ihrem Provider verwenden. Viele Haushalte verwenden heutzutage jedoch Router, um einen einzigen Internet-Anschluss mit vielen Computern zu teilen. In den letzten Jahren sind WLAN-Router besonders populär geworden. Wenn Sie einen Router verwenden, um eine Internetverbindung gemeinsam zu nutzen, bekommt der Router die IP-Adresse direkt vom Provider zugewiesen. Anschließend erstellt und verwaltet dieser ein Subnetz für alle Computer, die an diesem Router angeschlossen sind.

Dass der Anschluss-Inhaber hinter einer IP-Adresse eine bestimmte Computer-Funktion vorgenommen hat, hier das angebliche illegale Herunterladen eines einzelnen pornografischen Films, ist daher nicht wahrscheinlicher als zu sagen: Derjenige der die Telefonrechnung bezahlt, hat auch einen bestimmten Anruf gemacht. Wegen der steigenden Beliebtheit von WLAN-Routern ist das sogar viel weniger wahrscheinlich. Während es vor zehn Jahren noch fast keine drahtlosen Netzwerke in privaten Haushalten gab, verfügen mittlerweile 61% der US-Haushalte über einen solchen Zugang.

Viele Internet-Provider bieten einen kostenlosen WLAN-Router als Teil ihres Internet-Pakets an. Aus diesem Grund unterstützt eine einzige IP-Adresse der Regel mehrere Endgeräte, die im Gegensatz zu Telefonen gleichzeitig von verschiedenen Personen betrieben werden können.

Die Downloads könnten von verschiedenen Familienmitgliedern oder sogar Besuchern durchgeführt wurden sein. Außer wenn der WLAN-Router eine entsprechende Verschlüsselung hätte (und manchmal sogar dann), können auch Nachbarn oder Passanten über die IP-Adresse des Anschlussinhabers auf das Internet zugreifen.

Manche IP-Adressen können Unternehmen oder Einrichtungen gehören, die ihren Mitarbeitern, Kunden oder sogar der Öffentlichkeit Internet-Zugänge anbieten, wie es in Bibliotheken oder Cafés üblich ist.

Deshalb ist es unwahrscheinlich, dass eine IP-Adresse einem “Gerät” zugeordnet ist und der Anschlussinhaber auch der Angeklagte ist, wie die Kläger behaupten. Die meisten, wenn ich sogar alle, IP-Adressen zeigen auf einen WLAN-Router oder ein anderes Netzwerkgerät. Obwohl ein Provider den Name des Anschlussinhabers herausgeben kann, kann die Urheberrechtsverletzung durch den Inhaber, ein Familienmitglied, Mitarbeiter, Gast, Nachbar oder einen Eindringling begangen worden sein.

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Ein Kommentar auf “US-Richter erklärt die Welt
  1. Sebastian sagt:

    Es sagt ja aber auch niemand (mehr), dass IP-Adressen Menschen identifizieren, oder? Das Problem ist doch, dass das deutsche Recht den Anschlussinhaber dafür haftbar macht, was mit seinem Anschluss passiert.

    „Nach der Störerhaftung kann derjenige, der – ohne Täter oder Teilnehmer zu sein – in irgendeiner Weise willentlich und adäquat kausal zur Verletzung eines geschützten Gutes beiträgt, als Störer für eine Schutzrechtsverletzung auf Unterlassung in Anspruch genommen werden.“
    http://de.wikipedia.org/wiki/St%C3%B6rerhaftung

    Die Formulierung sagt alles 🙂

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